Bio Food    

Die Macher von RadTour

 
 
 

Kurt Schiwy (re.) und Silvio Jander (li. im Bild)

Kurt Schiwy lebt mit seiner Partnerin Steffi Themann und dem gemeinsamen Sohn Jona in Bornheim-Brenig. Ungefähr 750 Meter vom Wasserturm entfernt. Als Überzeugungstäter hat er gemeinsam mit dem befreundeten Koch Silvio Jander im März 2014 das Projekt RadTour gestemmt. Dabei musste es ganz schön schnell gehen: Mitte 2013 erste Planungen, Ende 2013 die Entscheidung und dann wurde das Projekt im Team umgesetzt.

Silvio Jander, Jahrgang 1972, lebt mit Frau Ulrike und Sohn Timo seit etwa fünf Jahren in einem schönen kleinen Hof in Bornheim-Waldorf. Geboren und aufgewachsen in Rheinbach, fühlt er sich als echter Rheinländer, obwohl seine Familie aus dem Süddeutschen kommt und – wie er selber sagt – er die rheinische Mundart nicht wirklich beherrscht.
Im folgenden Interview erzählen Schiwy und Jander, wie es zum Projekt RadTour im historischen Wasserturm kam.

Weshalb habt ihr das Projekt RadTour auf die Beine gestellt?
Silvio: Kurt hatte die Idee dazu. Wir waren mal eine Zeit lang Nachbarn. Nachdem ich mit meiner Familie dann weggezogen bin, ist der Kontakt nie ganz abgebrochen. Und letztes Jahr fragte Kurt mich, ob ich nicht Lust hätte, einen Businessplan für ein Fahrrad-Projekt mit Gastronomie zu schreiben. Beim Schreiben und Kalkulieren merkte ich, welches Potenzial in der Idee steckt. Ich wuchs da immer weiter hinein, bis ich dann plötzlich voll integriert war.
Ich hatte schon immer ein Faible für außergewöhnliche Vorhaben und fand es ganz einfach spannend, die Idee in ein konkretes Projekt umzuwandeln.
Kurt: Und ich wollte schon immer gerne in genau so einen Laden gehen, wie wir ihn jetzt machen. Ein Fahrrad oder Zubehör kaufen – in einem annehmen Ambiente, wo ich mir den Prospekt oder Infos im Internet anschauen, ohne Stress einen guten Kaffee trinken und dann in aller Ruhe eine überlegte Entscheidung treffen kann.

Wie kam es dazu? Und wer macht jetzt was?
Kurt: Letztes Jahr wurde bekannt, dass der Eigentümer des Wasserturms einen Mieter sucht. Und wir waren nach einer Besichtigung überzeugt: Das ist es! Das ist das richtige Objekt für uns. Silvio hatte bereits einige Erfahrung in der Küche, ich schraube seit Jahren an Fahrrädern, bin aktiv beim ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club), mache dort auch Touren. Also war die Aufteilung klar: Silvio organisiert das Bistro und steht in der Küche und ich berate und informiere über die E-Bikes und das Thema Fahrradfahren allgemein.

Silvio: Ja, aufgrund der jeweiligen Interessensschwerpunkte hat es sich ergeben, dass ich für die Küche und den Gastrobereich zuständig bin und Kurt für den ganzen Komplex Fahrrad, Technik und technischer Service. Aber grundsätzlich sind wir beide für alles da und den kulturellen Aspekt organisieren wir zusammen. Derjenige, der eine Idee hat, bringt sie ein und wir schauen, wieweit die Idee umsetzbar ist.

Wie kam es zu der Kombination E-Bikes und Bio-Food?
Kurt: Uns geht es um Nachhaltigkeit – da sind uns beide Themen, Essen und Mobilität, wichtig. Ich kann nicht hier auf dem Land wohnen und die Gegend mit Abgasen verpesten, wenn ich täglich mit dem Auto nach Köln, Bonn oder sonst wohin fahre. Wir möchten gerne, dass noch mehr Leute darüber nachdenken, was sie einkaufen, wie sie ihre Umwelt behandeln.

Silvio: Gerade die Kombi ist das Herzstück des Ganzen. Es geht nicht darum, ein Fahrradgeschäft oder ein Bistro zu eröffnen, sondern ein lebendiges Gebilde, ein Treffpunkt für Gleichgesinnte und Neugierige zu etablieren, das alle möglichen verschiedenen Facetten anspricht. Die Symbiose zwischen Ernährung, Mobilität, Kultur und Nachhaltigkeit ist es, was das Konzept einzigartig macht.

Kurt, was war dein schönstes Erlebnis mit dem Fahrrad?
Kurt: Eine meiner ersten Kindheitserinnerungen, da war ich etwa vier Jahre alt, ist das Fahrradfahren. Ich erinnere mich, wie ich fahren gelernt habe, auf einem blauen Klapprad. Später habe ich einige für mich wichtige Touren gemacht – da gab es eine Fahrt Köln – Paris mit Freunden; und später natürlich Trontheim – Oslo*. Das sind sehr schöne bleibende Erinnerungen.
(*Einer der größten und längsten Radmarathons (knapp 550 km) von Trontheim nach Oslo, findet jährlich zur Sommersonnenwende statt.)

Und warum ist dir das Fahrradfahren so wichtig?
Kurt: Umweltschutz spielte in meinem Leben später dann eine zentrale Rolle. Ich kann mich noch an die autofreien Sonntage in den 70ern erinnern. Damals waren die Radfahrer auf leeren Autobahnen ein schönes Bild. Aber ich neige auch zur Fülligkeit (lacht) … und Radfahren hält ja bekanntlich auch fit!

Silvio, wie bist du zum Kochen gekommen?
Silvio: Früher war es Backen, jetzt ist es Kochen und Backen. Es hat sich einfach so ergeben. Es macht mir Spaß, neue Sachen auszuprobieren und zu experimentieren. Und nachdem es meistens ganz passabel schmeckt, hatte und habe ich die Motivation, weiterzumachen.

Macht dir Kochen auch noch im Alltag Spaß?
Silvio: Gerade das Alltagskochen macht mir am meisten Spaß. Was ich gar nicht mag, sind kulinarische Extreme. Bodenständiges Essen für jedermann, alte und traditionelle Rezepte und Techniken, verbunden mit modernen Essgewohnheiten – das ist es, was ich gerne mache.

Was kochst du für deine Familie am liebsten?
Silvio: Eine gute Freundin hat mir mal ein Kochbuch geschenkt: Vedisches Kochen. Das sind alte Rezepte aus Indien. Überliefert aus den Veden* mit Beziehung zu Hare Krishna. Aus diesem Buch, das ich immer so stückchenweise ausprobiere, hat sich zu Hause ein Klassiker herausgebildet: Puris mit Apfelchutney. Puris sind frittierte Fladenbrötchen, die sich beim Frittieren aufblähen und dann (wenn alles richtig klappt) einen runden luftigen Bauch haben. Das Apfelchutney wird wie Apfelmus hergestellt und mit Anis, Zimt, Nelken, Kreuzkümmel und Zucker gewürzt. Wir mengen dann noch etwas Naturjoghurt bei und haben eine super-leckere Beilage zu den Puris.
(*Sammlung religiöser Texte im Hinduismus)

Euer Projekt ist ja gewissermaßen ein Familienbetrieb. Alle helfen ein bisschen mit, oder?
Silvio: Klar, ohne Hilfe geht es nicht. Es gibt viel im Hintergrund zu machen. Büroarbeit, Küchenvorbereitungen, Einkäufe etc. Mein Sohn engagiert sich zudem für den kulturellen Teil, beispielsweise für den Poetry-Slam.

Welche Veranstaltungen möchtet ihr gerne machen? Was sind da eure persönlichen Vorlieben?
Silvio: Wir sind für alles offen. Kleinkunst, Lesungen, Filmabende, Partys, Motto-Events. Es soll nicht immer nur tiefgründige kulturelle Kost sein, es darf auch gerne einfach nur Spaß machen. Und ganz wichtig ist, dass viel Input auch von außen kommt; sprich: die Gäste sollen gerne Vorschläge machen und eventuell auch mitorganisieren. Es soll eben ein Zentrum für alle sein: sowohl für Fahrradleute und als auch für den Breniger, Bornheiner, Heimerzheimer und Von-überall-her-Bürger.
Kurt: Der Wassertank ist ja als Eventraum ideal für Jazz und Klassik. Ich mag auch Kino, besonders Independentfilme. Ich denke, wir werden in beiden Bereichen etwas bieten. Kunst haben wir ja schon mit der Ausstellung von Ling Ling Federhen. Schön wären wilde verrückte Kunstveranstaltungen. Ideen haben wir viele, mal sehen, welche wir in nächster Zeit davon verwirklichen können.

Was wünscht ihr euch für RadTour?
Kurt: Der Laden soll vor allem Spaß machen und sich bald selber tragen.

Silvio: Wir wünschen uns viel Feedback, viele Gäste, viel Spaß und natürlich auch Umsatz, damit wir weitermachen können! :)